Irland: Shannon-Tour
September 2000
[zum Bericht von Tessy]
[zurück
zu den Berichten und Bildern von Dieter]
Hallo allerseits...
das hier ist keine Gegendarstellung zu Dieter's Bericht und soll auch gar
keine sein, ich denke, ich habe einfach nur eine andere Prioritätensetzung.

Samstag, 16.09.: Flug von Düsseldorf nach Dublin. Dort werden wir zum
Transfer nach Glasson, einem kleinen Ort, der ziemlich im Zentrum Irlands,
in der Nähe des Lough Lee liegt, abgeholt.
Während des Transfers können wir erste Eindrücke von Irland sammeln:
Schafe zählen - das macht bekanntlich müde - und im Bus ist nicht mehr
viel los. Bis zu dem Zeitpunkt als Dani - aus dem Schlaf aufgeschreckt -
den Linksverkehr in Irland entdeckt.
Bei Waveline Cruisers übernehmen wir nach kurzer Einweisung unsere Boote,
mit denen wir noch am gleichen Nachmittag unsere Shannon-Tour beginnen,
indem wir nach Athlone (ca. 45 Bootsminuten südlich vom Ausgangsort) zum
Einkauf fahren (der Supermarkt hat bis 22.00 Uhr geöffnet, keine
Ladenschlußzeiten wie zuhause). Da sich zeitlich alles ein wenig nach
hinten verschoben hatte, übernachten wir statt wie geplant in Glasson auf
den Booten in Athlone, da wir nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr
fahren dürfen.
Ich selbst wache nachts gegen 02.30 Uhr auf und höre Stimmen (Geister
gibt's doch eigentlich nur auf alten Schlössern in Great Britain!?). Die
Lösung: Holger telefoniert mit dem Fahrer, der sein beim Umsteigen in
London verschollenes Gepäck nachliefert und nicht weiß, wie er unser Boot
finden soll.
Sonntag, 17.09.: Quer über den Lough Ree zieht es uns gegen Norden. So
ziemlich alle Teilnehmer an der Reise sind absolute Abfänger hinsichtlich
Bootfahren. So können wir uns nach erster Schleusennutzung gegenseitig auf
die Schultern klopfen, daß alles relativ problemlos ging.
Während der Fahrt genießen wir bei Sonnenschein die schöne Seen- und
Schilflandschaft um uns herum. Enten, Schwäne und mitunter auch
Fischreiher begleiten uns auf unserem Weg.
In Lanesborough machen wir Rast und schauen uns ein wenig im Ort um. Ohne
die englische Bezeichnung würden wir so manches Hinweisschild nicht
verstehen. Die gälische Sprache ist uns einfach allzu fremd. Die in Irland
häufig schönen bunten hölzernen Fassaden der kleinen Läden bieten hübsche
Fotomotive.
Montag, 18.09.: Wir fahren weiter in Richtung Norden und biegen später ab
in Richtung Carnadoe, ein Schilfgebiet, in dem wir die schöne Landschaft
und die absolute Ruhe bei schönstem Sonnenschein genießen. Fischreiher
können wir in unmittelbarer Nähe von unserem Boot aus beobachten. Wir
legen unsere Boote an und fahren mit unseren Beibooten weiter, da das
Wasser für die großen Hausboote zu flach und das Schilf zu dicht wird.
Anschließend wandern wir noch den Berg vom Seeufer an hinauf, um von dort
den Ausblick über den See zu genießen.
Abends - bei strömendem Regen - kurzer Fußmarsch in ein pub, um diverse
Biersorten und Cider zu testen.
Dienstag, 19.09.: Ich wache morgens zeitig auf und beobachte, wie die
Nebel über dem Schilf hochziehen und gleichzeitig die Sonne über den
grünen Hügeln, auf denen Schafe weiden, aufgeht. Ein Augenblick, der sich
weniger gut mit der Kamera als vielmehr mit dem Gedächtnis einfangen läßt.
Weiterfahrt in Richtung Lough Key. In einer Bucht am Forrest Park machen
wir Halt und bestaunen ein paar alte Steine sowie den "wishing chair" -
ein in einen Baustumpf geschnitzter Sessel mit zum Teil alten keltischen
Symbolen an der Außenseite. Nach einem kurzen Abstecher mit dem Beiboot
auf eine winzige Insel im See fahren wir noch in eine weitere Bucht, die
vor allem Ausgangspunkt ist für ein riesiges Netz an Wanderwegen durch den
Forrest Park.
Wanderer können hier schöne Touren unternehmen und über Nacht anlegen. Wir
hingegen fahren zu einer nahe gelegenen Marina, in der wir über Nacht
anlegen. Im nahe gelegenen pub testen wir heute abend kollektiv das Irish
Stew (Eintopf mit Hammelfleisch).
Mittwoch, 20.09.: Wir fahren wieder in Richtung Süden. In Carrick on
Shannon tanken wir unser Boot auf und spazieren ein wenig durch den Ort.
hier beobachten wir etwas, was in Deutschland unvorstellbar wäre. Bei
strömendem Regen steht ein Auto mitten auf der Straße geparkt, hinter dem
Auto eine lange Schlange. Minuten später kommt eine Frau aus dem Post
Office, geht zu ihrem geparkten Wagen, winkt und fährt weiter. Keiner hat
gehupt, keiner hat geschimpft, alle übten sich einfach in Geduld. - Ein
Grund mehr dieses Land und seine Menschen zu mögen.
Nach ausgiebigem Genuß von Lachsforelle sowie diversen Beilagen in einem
hübsch eingerichteten Fast Food-Restaurant - andere Mitreisende hatten
sich den Bauch mit fish and chips vollgeschlagen - fuhren wir weiter nach
Rooskey, wo wir kurz vor der Schleuse unsere Boote anlegten für die Nacht.
Abends ging es in einen pub mit live Musik. Es wurde zwar keine irische
Musik gespielt, aber irisch gefeiert. Zwei ältere Männer mit einem Harem
schick gekleideter älterer Damen brachten echte Stimmung.
Ausdauernderweise schlossen wir uns anläßlich des Feierabends im pub an,
mit den Ir(r)en zum Abschluß die Nationalhymne anzustimmen (stelle sich
das mal jemand in Deutschland oder Östereich vor!)
Donnerstag, 21.09.: Wir fahren Marathon zurück bis Glasson (Stevie und
seine Crew übernachten hier), der Rest fährt weiter bis Athlone.
Eigentlich wollten wir dort shoppen gehen. Aber sowohl die späte
Ankunftzeit in Glasson als auch das schlechte Wetter, das am späten
Nachmittag einsetzte, hielt uns davon ab. Stattdessen gingen wir mit einem
Teil der Gruppe in ein pub, um weitere Biertests vorzunehmen. Dieter hatte
von dem pub in seinem Reiseführer gelesen - Musik-Programm an sechs Tagen
in der Woche: wir erwischten den siebten Tag.
Freitag, 22.09.: Heute ist Kultur angesagt. Gleich zu Beginn eine
Schleusendurchfahrt und dann kilometerlang auf dem Shannon durch
Weidegebiet: rechts und links nichts als Weiden mit Kühen und Schafen.
Nach etwa einer Stunde Fahrtzeit vor uns "Clonmacnoise", eine im 6.
Jahrhundert gegründete Klosteranlage, die in Hochzeiten zu einer Stadt
ausgebaut war. Wir "zählen" Steine und bewundern die alten Grabkreuze und
genießen den traumhaften Ausblick auf die Flußlandschaft. Da wir außerhalb
der Saison und dazu an einem Werktag reisen, hält sich der
Touristenansturm in Grenzen.
Am Nachmittag fahren wir zurück nach Athlone, wo wir shoppen und/oder auf
Foto-Safari gehen. Danach hektischer Aufbruch in Richtung Glasson, wo wir
noch vor 18.00 Uhr unsere Boote übergeben müssen. Die Übergabe erfolgt
absolut unbürokratisch und genauso unproblematisch. Bei starkem Seegang
übernachten wir ein letztes Mal auf den Booten.
Am nächsten Morgen werden wir schon sehr früh zum Transfer nach Dublin
abgeholt. Die Technik des Schafe zählen's greift erneut. Action kommt im
Bus erst kurz vor Erreichung des Flughafens auf.
Eins ist für alle klar: das war bestimmt nicht der letzte Irland-Urlaub!
Martina
[zum Bericht von Tessy] [zurück zu den Berichten und Bildern von Dieter]
dp 2000
Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt!
Stand: 10. Dezember 2003